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Harald Hakenbeck, Peter im Tierpark, © Foto: Elke Estel / Hans Peter Klut, SKD

Harald Hakenbeck, Peter im Tierpark, © Foto: Elke Estel / Hans Peter Klut, SKD Moritz Götze, Peter im Tierpark (nach Hakenbeck), © Künstler Walter Womacka, Am Strand (Ausschnitt), © Foto: Elke Estel / Hans Peter Klut, SKD Moritz Götze, Am Schaltpult (nach Willi Sitte), © Foto: Andreas Kämper, Berlin Werner Tübke, Gruppenbild (Ausschnitt), © Foto: Elke Estel / Hans Peter Klut, SKD

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Bilder machen Schule

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Kunstwerke aus DDR-Schulbüchern

Die bildenden Künste gelangten in der DDR in den Status eines „Lebensmittels“. Für viele Menschen etablierte sich der Umgang mit Kunst zu einem unverzichtbaren Aspekt der Lebensgestaltung. Millionenfach wurden Gemälde, die in unserer Ausstellung erstmals nach 1989 gemeinsam wieder gezeigt werden, wie „Am Strand“ (1962) von Walter Womacka, Harald Hakenbecks „Peter im Tierpark“ (1961/62) oder auch der „Schachspieler“ (1964) von Willi Neubert durch Reproduktionen, Briefmarken und Plakate verbreitet und in den Alltag der sozialistischen Gesellschaft integriert. Diese Werke wurden zu „Ikonen“ der DDR-Gesellschaft und zu Leitbildern des „Sozialistischen Realismus“. Eine wichtige Rolle für die Popularisierung von Kunstwerken spielte dabei die Schule. In den staatlichen Lehrbüchern der Polytechnischen Schulen und Erweiterten Oberschulen der DDR, insbesondere in den Schulbüchern der Fächer Deutsch, Kunsterziehung und Geschichte, wurde ein spezifischer Bilderkanon etabliert. Die Kunstwerke erzählen somit jenseits der Entwicklungslinie des „Sozialistischen Realismus“ auch eine Geschichte der Sozialisation durch Bildmuster. Diese Bildmusterwurden durch Themen und Sujets bestimmt und wandelten sich im Verlauf der Jahrzehnte.

Die Ausstellung „Bilder machen Schule. Kunstwerke aus DDR-Schulbüchern“ widmet sich erstmals dem Prozess einer Funktionalisierung bildkünstlerischer Werke in der DDR im Bereich der schulischen Bildungsarbeit. Einerseits steht dabei die Dimension einer Normsetzung des Staates im Vordergrund – durch die Auswahl eines mit den Lehrinhalten und gesellschaftspolitischen Zielen verknüpften Spektrums an Kunstwerken, Genres und Motiven sowie in Gestalt eines Bilderkanons, der sich im Verlauf der DDR-Geschichte etablierte. Andererseits geht es aber ebenso um die persönlichen Interpretationen und vielgestaltigen Rezeptionsmuster, welche mit diesen Werken verbunden waren und für viele Menschen bis heute sind. In diesem Zusammenhang soll die Emanzipationskraft der Bilder von den Intentionen der Kultur- und Bildungspolitik deutlich gemacht werden.

„Bilder machen Schule“ heißt hier zugleich, dass die Dimension einer Sozialisation durch bildkünstlerische Werke für viele Kinder, Jugendliche und Früherwachsene in der DDR auch zu einer „Schule des Sehens“ wurde, die sich von den Zielen der sozialistischen Bildungspolitik zu befreien vermochte. Eine begleitende Befragung in Zusammenarbeit mit der Universi-tät Rostock sowie ein umfangreiches Begleitprogramm sollen diesem Thema nachgehen. Schon deshalb, da viele der in der Ausstellung versammelten Werke nicht nur ikonische „Kindheitsmuster“ darstellen, sondern auch in einem allgemeineren Sinne Bild- und Sinnvorstellungen der DDR-Nachfolgegenerationen prägten.

Eine zweite Ebene der Ausstellung bilden die bildkünstlerischen Rekonstruktionen von DDR-Ikonen“ des Hallenser Malers Moritz Götze. Diese stehen in direkter Weise in Spannung zu den vorgestellten DDR-Werken – etwa in der Serie, die Moritz Götze zu Hakenbecks „Peter im Tierpark“ auflegte oder in seiner Version des DDR-Klassikers „Chemiearbeiter am Schaltpult“ von Willi Sitte. Moritz Götze beschäftigt sich seit zehn Jahren mit einer Neubefragung der in dieser Ausstellung gezeigten Werke aus der DDR. Insofern kommt es hierbei zu einer Begegnung zwischen Originalen und Coverversionen, die auch für Besucher Interesse ver-spricht, die sich weniger für den kulturhistorischen Ansatz des Ausstellungsprojektes und mehr für die künstlerische Konfrontation von Werken aus der DDR mit zeitgenössischen Bildauffassungen interessieren. Moritz Götze (Jahrgang 1964) gehört zu den erfolgreichsten Künstlern seiner Generation und trat in den letzten Jahren mit seiner konzeptuellen Historienmalerei durch zahlreiche Ausstellungen national und international hervor.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Kunsthalle Rostock und
dem Dresdner Institut für Kulturstudien e.V.
 

Die Ausstellung wird ergänzt von einem umfangreichen Begleitprogramm,
u.a. mit folgenden Veranstaltungen:

  1. Februar | 16 Uhr:
    Mit Peter im Tierpark und Uta am Strand. Kunstgespräch vor Originalen beim Gang durch die Ausstellung mit dem Kurator

  2. März | 11 Uhr:
    Die DDR im Rückspiegel. Künstlergespräch mit dem Hallenser Maler Moritz Götze über seine Rekonstruktionen von DDR-Klassikern

  3. März | 19 Uhr:
    Unsere Bilder? Das lange Leben der DDR-Kunst. Vortrag von Dr. Paul Kaiser, Kunstwissenschaftler und Kurator der Ausstellung

  4. März | 19 Uhr:
    Bilderstreit und Gesellschaftsumbruch. Der Streit um die Kunst aus der DDR. Vortrag von Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg (Dresden)

  5. April | 19 Uhr:
    Ausgestellt oder abgestellt? Podiumsdiskussion über den Umgang mit der Kunst aus der DDR mit renommierten Teilnehmern aus Politik, Museum und Wissenschaft

Bilder von der Eröffnung

Blick in die Ausstellung

Eröffnung:
16.02.2014, 18.00 Uhr

Eintrittspreis:
6,00 € und4,00 € ermäßigt

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16.02.2014 – 06.04.2014

Eugenio Recuenco

Fotografie

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27.04.2014 – 25.06.2014

Rolf Werner

Malerei

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18.04.2014 – 15.06.2014

Claude Viallat

Der Stoff der Malerei

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18.04.2014 – 15.06.2014

Catalina Pabón

Erstarrte Wirklichkeiten. Worlds apart.

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22.06.2014 – 14.09.2014

Werner Tübke / Michael Triegel

ZWEI MEISTER AUS LEIPZIG