Nachruf
Mit Margret Middell-Lemke ist am 11. September 2026 eine der bedeutendsten Bildhauerinnen Norddeutschlands verstorben. Die 1940 in Marienwerder im damaligen Westpreußen geborene Künstlerin bewegte sich souverän in einem lange von Männern geprägten Metier. Nach ihrer Tischlerlehre studierte sie von 1959 bis 1965 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Zu ihren Lehrern zählten renommierte Bildhauer wie Heinrich Drake, Waldemar Grzimek und Ludwig Engelhardt. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1969 den Will-Lammert-Preis und 1986 den Nationalpreis der DDR.
1974 verlegte Margret Middell-Lemke ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nach Glöwitz bei Barth in Mecklenburg-Vorpommern. Dort entstand ein Werk, das sich über Jahrzehnte mit dem menschlichen Körper, dessen Verletzlichkeit und Würde auseinandersetzte. Viele ihrer Arbeiten fanden ihren Platz im öffentlichen Raum – in Berlin, Potsdam, Rostock und an weiteren Orten Mecklenburg-Vorpommerns.
Besondere Bekanntheit erlangte das Bronzerelief „Die Würde und Schönheit freier Menschen“, das sie 1985/1986 für das Berliner Marx-Engels-Forum schuf. Auch in Rostock sind ihre Skulpturen präsent: im Zoo, vor der Nikolaikirche und mit der „Großen Sitzenden“ von 1969 im Park am Schwanenteich nahe der Kunsthalle Rostock. 2006 erhielt sie den Auftrag für das Kunstwerk „Welle“, das seitdem vor dem Thünen-Institut für Ostseefischerei im Rostocker Stadtteil Marienehe steht. Dass sie auch nach der Wende solche öffentlichen Aufträge realisieren konnte, belegt die anhaltende Anerkennung ihres Schaffens. Die Kunsthalle Rostock besitzt fünf Bronzearbeiten der Künstlerin. Ihre Plastik „Sitzende“ aus den 1980er-Jahren bezog der österreichische Maler Clemens Krauss 2024 in seine Ausstellung in der Kunsthalle Rostock ein. Die Art ihrer Präsentation löste eine heftige Debatte aus. Margret Middell-Lemke nahm daraufhin selbst an einer Diskussionsveranstaltung teil und sprach über ihr Verständnis von Bildhauerei und deren Präsentation. Aktuell sind Arbeiten von ihr in der Sammlungsausstellung im Schaudepot der Kunsthalle zu sehen.
Mit dem Tod von Margret Middell-Lemke verliert Mecklenburg-Vorpommern eine wichtige bildhauerische Stimme. Ihre Werke jedoch bleiben – im öffentlichen Raum, in Sammlungen und im Gedächtnis all jener, die ihnen begegnet sind.
„Begegnungen – viele flüchtige Im Vorübergehen Bald vergessen Andere nachhaltig Eindrucksvoll Lebendig“
Margret Middell-Lemke, 2018
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